08.12.2016 - 11:35

Nachruf Otto Thiessen


Otto „Otti“ Thiessen


Am 3. Oktober 2016, zwei Tage nach unserer Herbsttagung in Gelting, ist unser Ehrenmitglied Otto Thiesen im Alter von 89 Jahren von uns gegangen.

Otto Thiessen war von Beruf aus Landwirt und bekleidete von 1975 an über 40 Jahre das Amt des Vertrauens-mannes für den Heimatverein im Kirchspiel Tolk. Zudem war er auch von 1982–1994 Vorstandsmitglied, zunächst als Beisitzer,

später dann als Schriftführer. Für seine ehrenamtliche Arbeit erhielt er bereits 1998 die Ehrennadel des Heimatvereins. Am 3. Juni 2007 wurde er schließlich zum Ehrenmitglied ernannt.

Otto Thiessen wurde am 6. Dezember 1926 in Tolk geboren und teilte mit vielen Angehörigen dieses Jahrgangs das Schicksal der Teilnahme in jungen Jahren an einem aussichtslosen Krieg. 1943 wurde der 16-jährige Domschüler Thiessen als Flakhelfer in Eckernförde eingesetzt, und musste Anfang 1944 einige Monate Reichsarbeits-dienst in Litauen leisten. Jahrzehnte später lernten er und mein Vater, ebenfalls Jahrgang 1926, sich im Heimatverein kennen und stellten schnell fest, dass sie gleichzeitig in der gleichen Einheit in Litauen gedient hatten. Fortan wurden bei jedem Treffen, auch bei uns im Hause, die Zeit beim RAD und die weiteren Kriegserlebnisse besprochen. Kurz vor seinem 18. Geburtstag wurde er beim Frontdienst in Holland verwundet und hätte fast ein Bein verloren. Nach Lazarettaufenthalten und kurzer Gefangenschaft konnte er im September 1945 wieder in sein ziviles Leben zurückkehren und machte 1947 das Abitur. Da sein älterer Bruder und eigentlicher Hofnachfolger 1945 in russischer Kriegs-gefangenschaft umgekommen war, musste er nun den Beruf des Landwirts ergreifen. Nach erfolgter Ausbildung bewirtschaftete er den elterlichen 50-ha-Hof erst zusammen mit seinem Vater, später dann, bis 1991, alleine. Wer den geschichtsinteressierten und redseligen Otto Thiessen kannte, kann sich vorstellen, dass er sicherlich auch einen guten Schulmeister abgegeben hätte. Seinen weitgefächerten Interessen konnte er in seiner Freizeit nachgehen, z.B. bei Reisen zu antiken Stätten rund um das Mittelmeer und natürlich bei seinen Aktivitäten im Heimatverein. Mich als seinerzeit noch stellvertretenden Schriftleiter ermutigte er dazu, das Jahrbuch aufzufrischen. Diese Forderung nach Veränderung aus dem Mund eines Mittachtzigers zeigte mir, dass nicht nur die Fraktion der jüngeren Vorstandsmitglieder im Heimatverein einen Reformbedarf beim Jahrbuch sahen.

Wir als Heimatverein der Landschaft Angeln sind dankbar für das langjährige Engagement des Verstorbenen für unseren Verein und denken gerne zurück an die gemeinsame Zeit mit unserem „Otti“ Thiessen.


Mathias Jürgensen, Kalleby

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